Haltegriff Höhe: was DIN 18040 vorgibt und wie gemessen wird
28 cm über der Sitzhöhe gilt in Wohnungen nur im R-Standard, die 85 cm stammen aus DIN 18040-1: zwölf Höhenangaben, Messschritte, Messblatt.
Diese Übersicht beruht auf öffentlich zugänglichen Angaben — Herstellerangaben, Prüfberichte und Händlerdaten. Es wurde nicht selbst getestet. Wo eine Angabe fehlt, steht das da; sie wird nicht geschätzt. Wie ausgewertet wird, steht in der Methodik.
Ein Normsatz, zwei Wohnungsstandards
„Oberkante 28 cm über Sitzhöhe“: Diese Griffhöhe nennt DIN 18040-2 für Stützklappgriffe am WC und neben dem Duschklappsitz, aber nur für Wohnungen mit uneingeschränkter Rollstuhlnutzung, im Normtext mit „R“ gekennzeichnet (Leitfaden „Barrierefreies Bauen 02“ der Bayerischen Architektenkammer, S. 103 und 106). Im Grundstandard verlangt die Norm keine Griffhöhe, sondern Wände, an denen sich Griffe nachrüsten lassen (S. 99), und für das Waschbecken nennt sie keinen Griff. Die oft zitierten 85 cm für einen waagerechten Duschgriff stammen aus DIN 18040-1, dem Teil für öffentlich zugängliche Gebäude (Leitfaden 01, S. 110).
Der Leitfaden für Wohnungen sagt es auf Seite 103 ausdrücklich: „DIN 18040-2 stellt nur in barrierefreien Wohnungen mit uneingeschränkter Rollstuhlnutzung Anforderungen an die Höhenlage des WC-Beckens und die Montage der erforderlichen Bedienelemente und der Stützklappgriffe.“ Den kostenpflichtigen Normtext haben wir nicht eingesehen. Die Normwerte stammen aus den beiden Leitfäden, im Folgenden BYAK 01 und BYAK 02 (Ausgabe Juli 2013, 2. Nachdruck Juni 2019). Dazu kommen Anleitungen von HEWI, KEUCO, Normbau und Erlau und die Fachstelle online-wohn-beratung.de des Vereins Barrierefrei Leben. Die Tabelle ordnet zwölf Angaben nach ihrem Bezugspunkt.
| Angabe | gemessen ab | Gegenstand | gilt für | Fundstelle |
|---|---|---|---|---|
| Oberkante 28 cm über Sitzhöhe | Sitzfläche (WC einschließlich Sitz) | Stützklappgriffe beidseitig am WC | DIN 18040-2 nur „R“; gleicher Wert in DIN 18040-1 | BYAK 02 S. 103; BYAK 01 S. 106 |
| Oberkante 28 cm über Sitzhöhe des Klappsitzes | Sitzfläche des Klappsitzes | Stützklappgriffe in der Dusche, nachrüstbar | DIN 18040-2 nur „R“; DIN 18040-1 am Duschsitz | BYAK 02 S. 106; BYAK 01 S. 110 |
| 85 cm über OFF (Achsmaß) | Fußboden, Mitte des Rohrs | waagerechter Haltegriff in der Dusche | DIN 18040-1 (öffentlich zugängliche Gebäude) | BYAK 01 S. 110 |
| Unterkante z. B. 85 cm über OFF | Fußboden, unteres Ende | senkrechter Haltegriff in der Dusche | DIN 18040-1 | BYAK 01 S. 110 |
| 85 bis 105 cm über OFF | Fußboden | Griff und Armatur übereinander | DIN 18040-1 | BYAK 01 S. 84, 110 |
| 85 cm über OFF | Fußboden | Einhebel-Duscharmatur (kein Griff) | DIN 18040-2 nur „R“ | BYAK 02 S. 106 |
| H 740 bis 760 mm | Fußboden (OKFF), Punkt am Griff nur in der Zeichnung | Stützklappgriff, Zeile für Deutschland | Herstellerangabe | HEWI M8010.01 S. 20; KEUCO Axess S. 2 |
| H a + 280 mm | „a“, nur in der Zeichnung erklärt | Stützklappgriff, Zeile für Deutschland | Herstellerangabe | Normbau 8214 264 S. 16 |
| 85 cm | nicht genannt | waagerechter Haltegriff in der Dusche | Fachstelle, ohne Normangabe | online-wohn-beratung.de, Dusche |
| auf Ellbogenhöhe; Richtwert 23,5 cm Sitzfläche bis Ellbogen | Ellbogen im Sitzen | Haltegriff neben einer Sitzfläche | Fachstelle, Herkunft des Richtwerts nicht genannt | online-wohn-beratung.de, WC |
| keine Höhe, nur nachrüstbar | — | Halte- und Stützgriffe an WC, Dusche, Wanne | DIN 18040-2 Grundstandard | BYAK 02 S. 99 |
| keine Angabe | — | Griff am Waschbecken | DIN 18040-1 und DIN 18040-2 | BYAK 01 S. 108; BYAK 02 S. 105 |
Welche Griffarten es gibt und warum das Hilfsmittelverzeichnis zwischen Halten und Stützen trennt, erklären die Grundbegriffe zu Haltegriffen.
Fußboden, Sitzfläche, Ellbogen: wovon aus gemessen wird
Die zwölf Angaben unterscheiden sich weniger in der Zahl als im Nullpunkt. Fünf messen ab dem fertigen Fußboden (OFF), drei ab der Sitzfläche, davon eine als Formel, deren „a“ nur die Zeichnung erklärt. Eine misst ab dem Ellbogen, eine nennt keinen Bezug, zwei nennen keine Höhe. Die Grafik stellt die drei Nullpunkte als Leitern auf eine gemeinsame Skala.
Die Leitern zeigen eine Rechnung, die keine Unterlage ausspricht: 46 cm plus 28 cm sind 74 cm, 48 cm plus 28 cm sind 76 cm. Das Band H 740 bis 760 mm, das HEWI (M8010.01, S. 20) und KEUCO (Axess, S. 2) für Deutschland eintragen, ist genau die R-Sitzhöhe plus 28 cm (unsere Rechnung). Normbau schreibt statt einer Zahl die Formel „H a + 280“ (8214 264, S. 16), Erlau zeichnet 460–480 und 280 darüber (Planungsgrundlagen, Ausgabe 01.09.2025, S. 15). Die feste Zeile gilt nur für diese Sitzhöhe, die Formel wandert mit dem Sitz. Bei 56 cm, etwa durch einen Aufsatz, liegt ein Griff auf 740 mm nur noch 18 cm über der Sitzfläche (unsere Rechnung, Beispielwert).
Für andere Länder tragen dieselben Tabellen andere Werte ein: HEWI für Großbritannien 680 mm, für Belgien und Dänemark 800 mm, für die Schweiz 700 bis 750 mm. Für Österreich schreiben HEWI und KEUCO 750 bis 850 mm, Normbau 800 bis 850 mm; für Frankreich HEWI und KEUCO 733 bis 800 mm, Normbau 700 bis 800 mm. Die Hersteller widersprechen sich hier, und HEWI ergänzt: „Ggf. abweichende aktuelle länderspezifische Vorschriften beachten!“
Auch der Punkt am Griff zählt. Für Stützklappgriffe gilt die Oberkante (BYAK 02 S. 103), für den waagerechten Duschgriff nach DIN 18040-1 das Achsmaß, für den senkrechten die Unterkante (BYAK 01 S. 110). Zwischen Oberkante und Achse liegt der halbe Rohrdurchmesser: 16,5 mm beim HEWI-Griff mit 33 mm, 17 mm beim Normbau Nylon Care mit 34 mm, 25 mm beim Pressalit PLUS mit 50 mm (unsere Rechnung). Die „Höhe“ in Datenblättern ist dagegen meist die Bauhöhe, etwa „259 mm hoch“ beim HEWI 801.50.200; das Hilfsmittelverzeichnis spricht von „Befestigungshöhe“ (HEWI: 740–760 mm) oder „Greifhöhe“ (Etac Rex mit Stützbein: 77–87 cm).
Bei Griffen mit Bodenstütze ist die Höhe ein Produktmerkmal: Normbau nennt eine Befestigungshöhe von 750 mm (Nylon Care 300, Inox Care) oder 800 mm (Nylon Care 400), HEWI fertigt die Stütze „auf Maß“. Welcher Punkt damit gemeint ist, sagen die Datenblätter nicht. Ausladung, Holmform, Bremse und Lastangabe der einzelnen Modelle zeigt der Datenvergleich der Stützklappgriffe.
Was im R-Kasten steht und was der Grundstandard verlangt
Am WC
Der R-Kasten in BYAK 02 auf Seite 103 nennt für das WC:
- WC-Höhe einschließlich Sitz 46 bis 48 cm über OFF;
- Rückenstütze 55 cm hinter der Vorderkante, der WC-Deckel gilt als „ungeeignet“;
- Stützklappgriffe „beidseitig des WC-Beckens“, lichter Abstand 65 bis 70 cm;
- „15 cm über Vorderkante WC-Becken hinausragend“, „Oberkante 28 cm über Sitzhöhe“;
- „mit wenig Kraftaufwand bedienbar, am besten ausgestattet mit Feder“, „in selbstgewählten Etappen hochklappbar“;
- Befestigung „entsprechend einer Punktlast von 1 kN am vorderen Griffende“.
Dazu gehören im R-Standard 150 × 150 cm Bewegungsfläche vor dem WC und an einer Seite 90 cm Breite bei 70 cm Tiefe, an der anderen 30 cm; im Grundstandard 120 × 120 cm und 20 cm beidseitig (S. 100–101). Die Abbildungen sind laut Vorbemerkung zur Maßentnahme nicht geeignet (S. 11).
Was „1 kN am vorderen Griffende“ bedeutet
1 kN sind 1.000 N, die Gewichtskraft von rund 102 kg (1.000 N geteilt durch 9,81 m/s², unsere Umrechnung). Die Anforderung gilt der Befestigung, also Wand, Dübel, Schrauben und Wandplatte, am Punkt mit dem größten Hebel. Eine Grenze für das Körpergewicht ist sie nicht. Die Hersteller nennen eigene Werte: HEWI für den 801 ein „Max. Gewicht des Anwenders“ von 150 kg und eine „Max. Nutzlast für sichere Anwendung“ von 100 kg (M8010.01, S. 18), Normbau „max. 100 kg nach ISO 17966:2016, statisch getestet bis zu 150 kg“, KEUCO beim Plan Care „Belastbar bis 115 kg am vordersten Punkt gem. DIN 18040“, rund 1.128 N (unsere Rechnung). Die Produktnorm ISO 17966:2026 schließt die Befestigung im Baukörper ausdrücklich aus.
In der Dusche
Für den Duschplatz nennt der R-Kasten auf Seite 106 einen Klappsitz, „nachrüstbar“, mit 46 bis 48 cm Sitzhöhe, Stützklappgriffe, ebenfalls „nachrüstbar“, beidseitig mit der „Oberkante 28 cm über Sitzhöhe des Klappsitzes“, und eine Einhebel-Armatur auf 85 cm. Selbst im R-Standard müssen Klappsitz und Stützklappgriffe also nicht schon beim Bau hängen; nur die Armatur nennt der Kasten ohne „nachrüstbar“. Lichten Abstand, Überstand und Punktlast nennt der Leitfaden für die Dusche nicht; für einen umstellbaren Hocker gibt es keine feste Sitzfläche, auf die sich ein Wandgriff beziehen ließe. Wie die Sitzhöhe eines Wandklappsitzes an seiner Vorderkante gemessen wird, steht im Ratgeber zur Sitzhöhe des Duschklappsitzes.
Am Waschbecken
Die Produktart 04.40.05.1 des Hilfsmittelverzeichnisses heißt „Stützgriffe für Waschbecken und Toiletten“ (Fortschreibung vom 15.10.2025, S. 43), nennt aber keine Höhe. BYAK 02 (S. 105) und BYAK 01 (S. 108) nennen am Waschplatz keinen Griff. Erlau empfiehlt einen Konsolgriff ohne Höhenangabe (S. 17), das KEUCO-Datenblatt zum Waschtisch-Stützklappgriff mit 650 mm Ausladung nennt keine Montagehöhe. Für das Waschbecken bleibt die Zeile leer: keine Angabe.
Im Grundstandard
Statt einer Höhe steht dort eine Anforderung an die Wand: „Barrierefreie Sanitärräume müssen im Bedarfsfall mit Haltegriffen ausgestattet werden können. Bauseits sind dafür Wand- oder Unterkonstruktionen vorzusehen“ (BYAK 02 S. 99). Einen Lastwert oder eine Zone nennt der Leitfaden dafür nicht. HEWI schreibt in seiner Planungshilfe für das WC „müssen nachrüstbar sein“, für die Dusche nur „Nachrüstmöglichkeit empfohlen“ (S. 28–29, 43); Erlau trägt „Individuell“ ein (S. 14). Die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz hält es im Flyer „Barrierefrei duschen!“ (Ausgabe April 2023) für „unbedingt ratsam, vorausschauend entsprechende Verstärkungen in Leichtbauwänden vorzusehen“.
Welche Spalte gilt, entscheidet nicht die Norm: „Die Norm gilt nicht aus sich heraus“ (BYAK 02 S. 17), sie gilt kraft Vorschrift oder Vereinbarung und kann für Umbauten „sinngemäß“ angewendet werden (S. 19). Aktuell ist DIN 18040-2:2011-09; der Entwurf E DIN 18040-2:2023-02 enthält ein neues „Bild 14 — Anordnung von Stützklappgriffen und Rückenstützen“, ob er die R-Zuordnung ändert, ist offen. Was dieselbe Norm für Türen und Bewegungsflächen vorsieht, behandelt der Beitrag über Rollatoren in der Wohnung.
Auch die Pflegekassen orientieren sich an DIN 18040-2, wenn sie Maßnahmen in ihr Verzeichnis zum Wohnumfeld aufnehmen (Rundschreiben vom 02.04.2026, S. 296); einen Haltegriff enthält es nicht. Welche Griffe im Hilfsmittelverzeichnis stehen und wie ein Wohnumfeldzuschuss nach dem Wortlaut von Gesetz und Rundschreiben geprüft wird, beschreibt der Beitrag zum Antragsweg über Kranken- und Pflegekasse.
Woher die 85 Zentimeter in der Dusche stammen
DIN 18040-1 verlangt für Duschplätze in öffentlich zugänglichen Gebäuden „jeweils mindestens ein waagerecht und ein senkrecht angeordneter Haltegriff“: waagerecht „in einer Höhe von 85 cm über OFF (Achsmaß)“, senkrecht „z. B. mit Unterkante 85 cm über OFF“, auch als „entsprechend ausgebildete Brausestange“ (BYAK 01 S. 110). Für Griff und Armatur übereinander gilt ein Bereich von 85 bis 105 cm (S. 84, 110). Gedacht ist das „vor allem in Sportstätten, Schwimmbädern, Raststätten u. Ä.“ (S. 109). HEWI und Erlau ordnen die 85 cm in ihren Planungsunterlagen ebenfalls nur DIN 18040-1 zu. In DIN 18040-2 steht die Zahl in der Dusche nur bei der Armatur im R-Standard.
Die Fachstelle online-wohn-beratung.de schreibt: „Waagerechte Haltegriffe sind in einer Höhe von 85 cm anzubringen“, ohne Norm und ohne Bezugspunkt. Für eine Wohnung ist die 85 eine Orientierung, kein Pflichtmaß. Wichtiger als die Zahl ist die Lage. Auf derselben Seite schreibt die Fachstelle, L-förmige oder um 45 Grad abgewinkelte Griffe unterstützten „das Hochziehen (horizontaler Griffbereich) und das Festhalten im Stehen (vertikaler Griffbereich)“; auf ihrer Seite zum WC ordnet sie dem waagerechten Teil dagegen „die ersten Aufstehbewegungen“ zu. Ein senkrechter Griff hat keine Höhe, sondern einen Bereich. Beim HEWI-Winkelgriff 801.22.130 mit 500 mm waagerecht und 750 mm senkrecht reicht er von 85 bis rund 160 cm, beim Duschhandlauf 801.35.200 mit 900 mm senkrecht bis rund 175 cm (unsere Rechnung, Längen ohne Abzug für Rohr und Rosette). Eine Brausestange als Griff soll laut Fachstelle „cirka 5 cm“ Wandabstand haben und „3 cm bis 4,5 cm“ dick sein.
Längen, Durchmesser und Wandabstände der verschraubten Wand- und Winkelgriffe vergleicht der Beitrag über Haltegriffe für die Dusche.
Für Stellen ohne Wand in Griffweite, etwa vor der Bettkante oder neben einem Sessel, beschreibt ein eigener Beitrag die Stange als Aufstehhilfe.
Sechs verbreitete Höhenregeln und woher sie kommen
„85 cm laut DIN 18040-2“ verwechselt zwei Normteile, die sich nur in der letzten Ziffer unterscheiden: Der Wert gehört zu DIN 18040-1, in der Wohnungsnorm steht er nur bei der Duscharmatur im R-Standard.
„28 cm über jedem Sitz“ lässt die Bedingung weg. In Wohnungen gilt der Wert für Stützklappgriffe im R-Standard, am WC und am Klappsitz. Für einen Hocker gibt es ihn nicht, im Grundstandard ist er eine Orientierung.
„Stützgriffe auf etwa 75 cm“, „70 bis 80 cm“ oder „74 bis 76 cm“ sind die 28-cm-Regel mit einer angenommenen Sitzhöhe. Wer die Bodenhöhe übernimmt, ohne die eigene Sitzhöhe zu kennen, übernimmt die Annahme.
„1 kN heißt, der Griff trägt 100 kg“ verwechselt Befestigung und Benutzerlast. Die Norm verlangt die 1 kN von Wand und Montage am vorderen Griffende; die zulässige Last nennt jeder Hersteller selbst und in eigener Größe, in den ausgewerteten Unterlagen zwischen 100 kg (Nutzlast, Belastbarkeit) und 150 kg (Anwendergewicht).
„Ellbogenhöhe und 28 cm widersprechen sich“ trifft nicht zu: Die Fachstelle meint Haltegriffe neben Sitzflächen, die Norm Stützklappgriffe. Zwei Griffe, zwei Bewegungen, 4,5 cm Unterschied.
„Beim Kauf auf DIN 18040-2 achten“ macht aus einer Planungsnorm ein Produktmerkmal. Sie regelt, wo ein Griff sitzt, nicht wie er gebaut ist. Schreibt ein Datenblatt, der Griff „erfüllt die Anforderungen nach DIN 18040“, sagt es nicht, welche; erfüllt wird die Norm erst durch Höhe, Abstand und Befestigung beim Einbau. Für Griffe am Waschbecken kursieren 90 bis 100 cm; eine Planungsgrundlage dafür haben wir nicht gefunden.
Vor dem Bohren messen: Sitzhöhe, Ellbogen, Probehalten
Jede Höhe über der Sitzfläche beginnt mit der Sitzfläche. Der Ablauf ist unsere Zusammenstellung, kein Normverfahren:
- Sitzhöhe nehmen: senkrecht vom fertigen Fußboden, Fliese statt Estrich, bis zur Oberseite der heruntergeklappten Brille, „einschließlich Sitz“ wie im Leitfaden. Mit und ohne Aufsatz messen, wenn einer benutzt wird.
- In der Dusche dort messen, wo die Füße stehen. Bei 2 Prozent Gefälle fällt der Boden auf 100 cm um 2 cm (unsere Rechnung); höchstens 2 Prozent nennt der Leitfaden, wenn die Duschfläche als Bewegungsfläche zählt (BYAK 02 S. 106).
- Ellbogen im Sitzen nehmen: Die Person sitzt auf dem Sitz, der später benutzt wird, der Oberarm hängt locker, der Unterarm steht etwa waagerecht; gemessen wird von der Sitzfläche bis zur Unterseite des Ellbogens.
- Im Stand unter der Brause festhalten, wo die Hand den senkrechten Griff erreicht, ohne die Schulter hochzuziehen. Das ist eine Beobachtung, kein Messwert.
- Die errechnete Höhe mit Kreppband markieren und notieren, ob die Marke Oberkante, Achse oder Unterkante meint.
- Probehalten: in Nutzungshaltung die Hand ohne Last an die Marke führen oder einen mobilen Griff nach seiner Anleitung ansetzen und nur greifen; die Marke verschieben, bis die Position passt.
- Die endgültige Marke auf den Bezugspunkt der Montagezeichnung umrechnen, bevor die Bohrmarke gesetzt wird.
Ein Aufsatz verschiebt den Nullpunkt: Auf einem WC mit 46 cm hebt ein 10-cm-Aufsatz die Sitzfläche auf 56 cm, die 28-cm-Regel ergibt dann 84 cm statt 74 cm (unsere Rechnung, Beispielwerte). Welche Aufsatzhöhe auf welches Becken passt, ordnet der Ratgeber zur Höhe einer Toilettensitzerhöhung.
Ein Kissen hebt die Sitzfläche ebenso, nur weicher. Wie jeder Zentimeter Kissen Fußraste und Tischhöhe verschiebt, zeigt ein Beitrag aus dem Bereich Wohlbefinden über Sitzkissen für den Rollstuhl.
Für den Ellbogen nennt die Fachstelle online-wohn-beratung.de einen Richtwert: „Um die stärkste Kraftentwicklung zu erreichen, sollten Haltegriffe neben Sitzflächen auf Ellbogenhöhe montiert werden. Als Richtwert gelten 23.5 cm für die Distanz zwischen Sitzfläche und Ellbogen bei sitzenden Menschen.“ Woher der Wert stammt, sagt sie nicht, und sie fügt hinzu, „sich bezüglich der Griffposition beraten zu lassen“. Ein Körpermaß statt eines Tabellenwerts ist auch beim Gehstock das Verfahren; dort wird im Stand am Handgelenk gemessen, beschrieben im Ratgeber zur richtigen Gehstockhöhe.
Das Probehalten nennen zwei Herstelleranleitungen. Glubeli schreibt, ein mobiler Mobeli-Griff könne dazu dienen, „vor dem Montagevorgang … die Griffposition optimal“ zu bestimmen und zu testen (D13.027.26.05_R3, 2026-09-02, S. 3). Mobeli nennt die „Wohnraumerprobung“ und zieht zugleich die Grenze: Die Griffe „sind nicht konstruiert, um das gesamte Körpergewicht zu tragen“ (D14.828.25.10, 2025-10-06, S. 3). Probehalten heißt also Position finden, nicht Last ausprobieren. Wie Saugteller und Klebeadapter halten und wo ihre Grenzen liegen, beschreibt der Beitrag über Griffe zum Saugen und Kleben.
Zwei Nutzer, und wer für wen misst
Für ein Bad mit zwei Nutzern nennt keine Fundstelle eine Regel. Erlau beschreibt beim Stützklappgriff XSK, durch Schrägstellung der Holme seien „zwei Stützhöhen greifbar“ (Katalog, S. 88–89), ein senkrechter Griff bietet einen Bereich statt einer Höhe. Misst jemand für einen Angehörigen, lassen sich Sitzhöhe, Aufsatz, seitlicher Wandabstand, Wandaufbau und Fugen ohne die Person nehmen; Ellbogen, Aufstehseite, Griff im Stand und Probehalten nur mit ihr. Die Entscheidung bleibt bei der Person, die den Griff benutzt.
| Messpunkt | Bezug | gemessen | Vergleichswert und Fundstelle |
|---|---|---|---|
| Sitzhöhe WC einschließlich Sitz, ohne Aufsatz | ab fertigem Fußboden | ______ | R: 46–48 cm (BYAK 02 S. 103); Grundstandard: individuell |
| Sitzhöhe mit dem Aufsatz, der im Alltag benutzt wird | ab fertigem Fußboden | ______ | Aufsatzhöhe laut Hersteller des Aufsatzes |
| Sitzhöhe Klappsitz | ab Boden an der Stelle der Füße | ______ | R: 46–48 cm (BYAK 02 S. 106) |
| Ellbogen im Sitzen | ab Sitzfläche | ______ | Richtwert 23,5 cm (online-wohn-beratung.de) |
| geplante Oberkante Stützklappgriff | ab Sitzfläche und ab Fußboden | ______ | R: +28 cm; HEWI/KEUCO 740–760 mm, nach unserer Rechnung = 46–48 cm Sitzhöhe + 28 cm |
| Bezugspunkt in der Anleitung des Griffs | Oberkante, Achse oder Unterkante | ______ | Zeichnung des Herstellers |
| Dusche: waagerechter Griff, senkrechter Griff unten und oben | ab Fußboden | ______ | DIN 18040-1: Achse 85 cm, Unterkante z. B. 85 cm (öffentliche Gebäude) |
| Wandaufbau an der Marke, Abstand zur nächsten Fuge | massiv, Vorwand, Leichtbau; mm | ______ | Befestigungsangaben der Anleitung; Fachbetrieb |
| Gefälle am Standort in der Dusche | cm auf 100 cm | ______ | höchstens 2 Prozent, wenn die Dusche als Bewegungsfläche zählt (BYAK 02 S. 106) |
Vorwandmodul, Fliesenfuge, Leitung: Prüfpunkte vor der Markierung
Eine Marke kann bleiben, wenn an ihr befestigt werden darf und kann. Vier Prüfpunkte aus den Herstellerunterlagen; eine Freigabe für eine bestimmte Wand geben wir nicht:
- Vorwand: Erlau verlangt zu prüfen, „ob das von Ihnen gewählte System die Montage nach den Vorgaben der Abbildung ermöglicht“ (Planungsgrundlagen, S. 14); Normbau führt eigene Montagesets für Vorwände mit Stahlplatte und mit mindestens 30 mm Mehrschichtholz (8214 264, S. 14–15).
- Leichtbauwand: Hinterfütterung je Produkt, bei Normbau-Stützklappgriffen mindestens 30 mm, bei Normbau-Haltegriffen mindestens 20 mm, beim HEWI-Haltegriff 801 mit 300 kg mindestens 30 mm. Sie liegt nur dort, wo sie eingebaut wurde.
- Fuge und Versatz: Erlau verlangt eine Wand „plan (keine vorstehenden Fugen, kein Fliesenversatz)“ (Anleitung Serie X, S. 3); Mobeli-Saugscheiben sollen mindestens 10 mm über dem unteren Fugenrand sitzen (S. 5).
- Leitungen: Mobeli und Glubeli nennen den Fall, „wenn sich Wasser- und/oder Stromleitungen in der Wand befinden können“ (jeweils S. 3); wo sie verlaufen, klären Pläne, Hausverwaltung oder ein Fachbetrieb.
Die Hersteller verlangen die Prüfung selbst. Normbau: „Vor der Montage ist die Wandbeschaffenheit unbedingt zu prüfen“ (8214 264, S. 5). HEWI: „Sicherstellen, dass der Wandaufbau der zu erwartenden Last dauerhaft standhält“ (M8010.01, S. 4). Erlau rät „dringend“ von der Selbstmontage ab (Serie X, S. 3). Wie Wandaufbau, Schraubenzahl und Last beim Klappsitz an derselben Wand zusammenhängen, vergleicht der Beitrag zur Wandmontage von Duschklappsitzen.
Was diese Auswertung nicht abdeckt
Den Normtext haben wir nicht eingesehen; Lastwerte und Höhen, die unter Verweis auf VDI-Richtlinien oder ISO 21542 kursieren, haben wir mangels selbst geprüfter Fundstelle nicht übernommen. Höhen an der Badewanne messen vom Wannenrand aus; die vier Maße dort behandelt der Ratgeber zum Messen am Wannenrand.
Warum wir nicht selbst testen, sondern Normen, Leitfäden und Herstellerunterlagen auswerten, beschreiben die Grundsätze der Auswertung.
Fehlermeldungen nehmen wir über die Korrekturseite entgegen, auch wenn eine Herstelleranleitung inzwischen andere Werte nennt.
Zehn Fragen zu Maß, Bezugspunkt und Norm
- In welcher Höhe wird ein Haltegriff in der Dusche einer Wohnung montiert?
- Für Haltegriffe nennt DIN 18040-2 keine Höhe; im R-Standard regelt sie nur Stützklappgriffe neben dem Klappsitz, 28 cm über dessen Sitzhöhe. Werte für Haltegriffe stehen in DIN 18040-1 für öffentlich zugängliche Gebäude: waagerecht mit der Achse auf 85 cm, senkrecht zum Beispiel ab 85 cm Unterkante. In der Wohnung entscheidet, wo die Hand im Stand und beim Aufstehen hingreift.
- Wie hoch sitzt ein Stützklappgriff neben dem WC?
- Im R-Standard von DIN 18040-2 liegt die Oberkante 28 cm über der WC-Höhe einschließlich Sitz. Bei 46 bis 48 cm Sitzhöhe ergibt das 74 bis 76 cm über dem Fußboden. Im Grundstandard gibt es keine Vorgabe; wer den Wert übernimmt, rechnet ihn von der tatsächlich gemessenen Sitzhöhe aus.
- Für welche Wohnungen gilt die 28-cm-Regel?
- Laut Leitfaden 02 der Bayerischen Architektenkammer, S. 103, stellt DIN 18040-2 nur in Wohnungen mit uneingeschränkter Rollstuhlnutzung Anforderungen an WC-Höhe und Stützklappgriffe. Für barrierefrei nutzbare Wohnungen ohne „R“ verlangt die Norm lediglich Wände, an denen sich Griffe später anbringen lassen.
- Warum tragen HEWI und KEUCO für Deutschland 740 bis 760 mm ein?
- Das Band entspricht der R-Sitzhöhe von 460 bis 480 mm plus 280 mm, also der Normregel für eine bestimmte Sitzhöhe. Normbau schreibt dieselbe Regel als Formel „a + 280“. Für Österreich, Frankreich, Großbritannien, Belgien, Dänemark und die Schweiz stehen in denselben Tabellen andere Werte.
- Heißt „1 kN am vorderen Griffende“, dass der Griff 100 kg trägt?
- Nein. Die Norm verlangt, dass die Befestigung eine Punktlast von 1 kN am vorderen Ende aufnimmt, das ist die Gewichtskraft von rund 102 kg. Das betrifft Wand, Dübel und Schrauben. Die Hersteller nennen eigene Werte verschiedener Art: HEWI ein maximales Anwendergewicht von 150 kg und eine Nutzlast von 100 kg, Normbau eine Belastbarkeit von 100 kg, KEUCO 115 kg am vordersten Punkt.
- Was empfiehlt die Fachstelle für Haltegriffe neben einer Sitzfläche?
- online-wohn-beratung.de setzt solche Griffe auf Ellbogenhöhe und nennt 23,5 cm zwischen Sitzfläche und Ellbogen als Richtwert, ohne dessen Herkunft. Das eigene Maß der Person im Sitzen ersetzt den Richtwert; zur Griffposition rät die Fachstelle zu einer Beratung.
- Gibt es eine Höhenvorgabe für Stützgriffe am Waschbecken?
- In den ausgewerteten Fundstellen nicht. Die Leitfäden zu DIN 18040-1 und -2 nennen am Waschplatz keine Griffe, Erlau empfiehlt einen Konsolgriff ohne Höhe, und die Produktart 04.40.05.1 des Hilfsmittelverzeichnisses nennt das Waschbecken ohne Maß.
- Verändert eine Toilettensitzerhöhung die passende Griffhöhe?
- Ja, denn sie hebt den Nullpunkt, von dem aus die 28 cm gerechnet werden, um ihre eigene Höhe. Mit einem 10-cm-Aufsatz auf einem 46-cm-WC läge die Oberkante rechnerisch bei 84 statt 74 cm. Gemessen wird deshalb mit dem Aufsatz, der im Alltag tatsächlich benutzt wird.
- Wird die Höhe bis zur Oberkante oder bis zur Mitte des Griffs gemessen?
- Das hängt von der Fundstelle ab: Stützklappgriffe nach Oberkante, der waagerechte Duschgriff nach DIN 18040-1 als Achsmaß, der senkrechte nach Unterkante. Je nach Rohrdurchmesser liegen Oberkante und Achse 16,5 bis 25 mm auseinander; maßgeblich für die Bohrmarke ist die Zeichnung des Herstellers.
- Lässt sich die Griffposition vor dem Bohren ausprobieren?
- Die Anleitung zu Glubeli nennt einen mobilen Mobeli-Griff, um die Position vorher zu bestimmen. Die Mobeli-Anleitung stellt zugleich klar, dass diese Griffe nicht für das gesamte Körpergewicht gebaut sind. Erprobt wird also die Lage, nicht die Belastung, und nur auf einer geeigneten, fugenfreien Fliese.
Quellen
- [01]Bayerische Architektenkammer, Leitfaden Barrierefreies Bauen 02 – Barrierefreie Wohnungen, Ausgabe Juli 2013, 2. Nachdruck Juni 2019, S. 11, 17–19, 99–107, abgerufen am 06.11.2026
- [02]Bayerische Architektenkammer, Leitfaden Barrierefreies Bauen 01 – Öffentlich zugängliche Gebäude, Ausgabe Juli 2013, 2. Nachdruck Juni 2019, S. 84, 106–110, abgerufen am 06.11.2026
- [03]GKV-Spitzenverband, Fortschreibung Produktgruppe 04 „Bade- und Duschhilfen“ vom 15.10.2025, S. 43 (Produktart 04.40.05.1), abgerufen am 06.11.2026
- [04]HEWI, Planungshilfe DIN 18040, Druckkennung 180125 01/20, S. 28–29, 42–43, abgerufen am 06.11.2026
- [05]HEWI, Montage- und Gebrauchsanleitung M8010.01 Wand- und Stützklappgriffe 801/805, Ausgabe 2024/08, S. 4, 18, 20, abgerufen am 06.11.2026
- [06]KEUCO, Gebrauchsanleitung Stützklappgriff Axess, 75765_003/06.2023, S. 2, 8, abgerufen am 06.11.2026
- [07]Normbau, Montage- und Gebrauchsanleitung 8214 264 Nylon Care 300/400, Ausgabe 2026-08-12, S. 5, 14–16, abgerufen am 06.11.2026
- [08]Normbau, Produktdatenblatt Nylon Care 300 Stützklappgriff mit Bodenstütze, Artikelnummer 4300451018, generiert 21.01.2026, abgerufen am 06.11.2026
- [09]Erlau, Planungsgrundlagen Barrierefreie Sanitärausstattung, Ausgabe 01.09.2025, S. 13–19, abgerufen am 06.11.2026
- [10]online-wohn-beratung.de (Barrierefrei Leben e.V.), Halte- und Stützgriffe am WC, abgerufen am 06.11.2026
- [11]online-wohn-beratung.de (Barrierefrei Leben e.V.), Haltegriffe für die Dusche, abgerufen am 06.11.2026
- [12]Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz, Landesberatungsstelle Barrierefrei Bauen und Wohnen: Faltblatt „Barrierefrei duschen!“, Ausgabe April 2023 (Archivkopie), abgerufen am 06.11.2026
- [13]Mobeli (ROTH), Gebrauchsanweisung Mobile Haltegriffe D14.828.25.10, Ausgabe 2025-10-06, S. 3, 5, abgerufen am 06.11.2026
- [14]Glubeli (ROTH), Gebrauchsanweisung Glubeli Power Haltegriffe D13.027.26.05_R3, Ausgabe 2026-09-02, S. 3, abgerufen am 06.11.2026
Änderungen an diesem Beitrag
- Erstveröffentlichung. DIN 18040-1 und DIN 18040-2 über die BYAK-Leitfäden 01 und 02, ISO 17966:2026, die Fortschreibung der Produktgruppe 04, die Montagetabellen von HEWI, KEUCO, Normbau und Erlau sowie die Fachstelle online-wohn-beratung.de ausgewertet.