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Duschsitz zum Einhängen: was zum vorhandenen Griff passen muss
Einhängesitze hängen an Rohren mit 30, 32 oder 33 mm. Was am Griff zu messen ist, wer die Last trägt und warum viele Hersteller nur eigene Griffe zulassen.
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Diese Übersicht beruht auf öffentlich zugänglichen Angaben — Herstellerangaben, Prüfberichte und Händlerdaten. Es wurde nicht selbst getestet. Wo eine Angabe fehlt, steht das da; sie wird nicht geschätzt. Wie ausgewertet wird, steht in der Methodik.
Ein Rohr mit 33 Millimetern und die Frage nach dem Sitz
In vielen Bädern, die in den letzten Jahren umgebaut wurden, hängt an der Wand der Dusche bereits ein waagerechter Handlauf. Manchmal ist er Teil einer Brausestange, die waagerecht beginnt und senkrecht nach oben führt, und er wurde beim Umbau so fest verschraubt, dass man sich beim Duschen daran halten kann. Irgendwann taucht dann die Frage auf, ob man an diesem Rohr auch sitzen könnte, ohne einen weiteren Sitz in die Fliesen zu bohren. Die Antwort darauf heißt Einhängesitz, und sie ist weniger einfach, als der Name klingt.
Ein Einhängesitz hat keine eigene Wandbefestigung. Er hat oben zwei Haken oder Schalen, die über das Rohr greifen, und unten Puffer oder Rosetten, mit denen er sich gegen die Wand stützt. Der Sitz hängt also am Griff, und der Griff hängt an der Wand. Wer einen solchen Sitz sucht, sucht deshalb nicht irgendeinen Sitz, sondern einen, der zu genau diesem Rohr passt — zu seinem Durchmesser, zu seinem Abstand von der Fliese, zu seiner Höhe und zu der Last, die der Griff selbst tragen darf.
Der KEUCO-Duschhandlauf Plan Care 34908 ist ein gutes Beispiel für die Zahlen, um die es geht. Laut Datenblatt hat er einen Rohrdurchmesser von 33 mm, waagerechte Achsmaße von 600 und 400 mm, eine Ausladung von 90 mm und einen Wandabstand von 57 mm, und er ist „bis 115 kg belastbar“. Jede dieser vier Angaben entscheidet mit darüber, welcher Sitz an diesem Rohr hängen darf. Keine davon steht auf einer gewöhnlichen Angebotsseite für Duschsitze.
Dieser Ratgeber geht die Fragen in der Reihenfolge durch, in der sie sich beim Umstieg auf einen Einhängesitz stellen: was am vorhandenen Griff zu messen ist, wer welche Last trägt, welche Hersteller ihre Sitze an fremden Griffen zulassen, wie hoch der Sitz am Ende sitzt und was es heißt, einen Sitz jeden Tag aus- und wieder einzuhängen. Grundlage sind die Datenblätter und Anleitungen von sechs Herstellern und die fünf Einhängesitze im Hilfsmittelverzeichnis, alle abgerufen am 14. Oktober 2026. Geprüft haben wir keinen der Sitze selbst; wir werten aus, was die Unterlagen sagen und was sie offenlassen.
Einhängen heißt: im Griff, nicht in der Wanne
Das Wort ist mehrdeutig, und manche Seiten im Netz meinen damit etwas anderes. Es gibt Badewannensitze, die in die Wanne gehängt oder auf den Wannenrand gelegt werden. Sie sind hier nicht gemeint. Gemeint ist der Sitz an einem waagerechten Griff in der Dusche, so wie ihn das Hilfsmittelverzeichnis beschreibt.
Der Satz stellt beide Bauweisen in dieselbe Produktart 04.40.03.0, „Duschsitze, an der Wand montiert“. Ein Einhängesitz ist im Sinne des Verzeichnisses also ein Duschsitz an der Wand, nur dass die Wand über den Griff erreicht wird. Zwei Wörter in dem Satz sind für die Praxis wichtig: „vorhanden“ und „waagerecht“. Der Griff muss also schon da sein, und er muss an der Stelle, an der der Sitz hängt, waagerecht verlaufen. Ein senkrechter Griff oder der schräge Abschnitt eines Winkelgriffs genügt nicht.
Wie die Bauweisen sich in der Produktart verteilen, zeigt der Einstieg zu Sitzen an der Wand: Von 36 belegten Einträgen nennen 30 eine Verschraubung, 5 das Einhängen und 2 das Kleben. Der Einhängesitz ist damit eine seltene Bauweise, und er hat im Verzeichnis eine Besonderheit: Der Griff, an dem er hängt, gehört nicht dazu. Dieselbe Fortschreibung zählt „handelsübliche Handgriffe, Handläufe, Duschhaltegriffe“ zu den Gebrauchsgegenständen des täglichen Lebens.
Ein Eintrag im Verzeichnis zeigt, dass die Grenze zwischen den Bauweisen nicht scharf ist. Der „Duschklappsitz Airmatic aus- u. einhängbar“ von rehagrip, 04.40.03.0022, ist ein Klappsitz, der in einen vorhandenen waagerechten Handgriff gehängt und wieder herausgenommen wird, mit einer Klappmechanik, die eine Gasdruckfeder unterstützt. Dieselbe Firma führt mit dem Airmatic für die Wandmontage einen verschraubten Bruder. Wer im Handel einen Klappsitz „zum Einhängen“ findet, hat also keinen Sonderfall vor sich, sondern eine Bauweise, die das Verzeichnis seit 2007 kennt.
Für Umsteiger heißt das: Der Sitz kann ein Hilfsmittel sein, sein Halt ist es nicht. Die Anforderungen der Produktart, etwa mindestens 100 kg Tragfähigkeit, gelten für den Sitz. Was der Griff trägt, regelt kein Verzeichnis, sondern das Datenblatt des Griffs.
Was am vorhandenen Griff zu messen ist
Drei Maße entscheiden, ob ein Sitz an ein Rohr passt: der Durchmesser des Rohrs, die Länge des waagerechten Abschnitts und der Abstand zwischen Rohr und Wand. Das erste ist das heikelste, weil die Unterschiede klein sind. Die Hersteller in dieser Auswertung nennen 30, 32 und 33 mm. Zwischen dem dünnsten und dem dicksten Rohr liegen also 3 mm, mit bloßem Auge kaum zu unterscheiden.
Einfacher als den Durchmesser misst man den Umfang. Ein Maßband aus Stoff, einmal um das Rohr gelegt, zeigt bei einem 30er-Rohr rund 94 mm, bei einem 32er-Rohr rund 101 mm und bei einem 33er-Rohr rund 104 mm. Geteilt durch 3,14 ergibt sich der Durchmesser. Zwischen 32 und 33 mm liegen so gemessen gut 3 mm Umfang, und die lassen sich mit einem Maßband sicherer ablesen als 1 mm mit einem Lineal. Wer einen Messschieber hat, misst direkt; wer die Rechnung oder das Datenblatt des Griffs noch hat, liest den Wert dort ab.
Die Grafik zeigt, warum der Durchmesser allein nicht reicht. Nur HEWI nennt für seine Einhängesitze der Serie 801 drei Rohrmaße auf einmal: „Stangendurchmesser 30, 32 und 33 mm“. Delabie und FRELU nennen 32 mm, KEUCO verweist auf die eigenen Plan-Care-Stangen, deren Handlauf 34908 laut Datenblatt 33 mm hat. Drei Sitze nennen gar keinen Durchmesser. Wie wenige Millimeter bei aufsteckbaren Hilfen entscheiden, zeigt sich auch an anderer Stelle im Haus: Für Drehgriffhilfen am Wasserhahn nennen Produktart und Eintrag 65 und 60 mm für dasselbe Maß, beschrieben im Beitrag über Greifhilfen für Tür, Fenster und Wasserhahn.
Die Länge des waagerechten Abschnitts
Der zweite Wert ist die Länge, auf der das Rohr gerade verläuft, zwischen zwei Wandbefestigungen oder zwischen Befestigung und Knick. Der Sitz greift an zwei Stellen über das Rohr, und beide müssen auf geradem Rohr liegen. Die Sitze in dieser Auswertung sind zwischen 345 mm (HEWI, schmale Ausführung) und 480 mm (FRELU) breit; KEUCO nennt für den Plan-Care-Sitz 362 mm, Delabie 420 mm. Wie weit die beiden Haken auseinanderliegen, nennt keines der Datenblätter als eigene Zahl. Bei Handläufen mit kurzen geraden Abschnitten — KEUCO nennt für den Handlauf 34908 waagerechte Achsmaße von 600 und 400 mm — kann ein 450 mm breiter Sitz an die Grenze kommen.
Dazu kommt, was auf dem Rohr sitzt. Ein Brauseschieber, eine Seifenschale oder eine Rosette in der Mitte des Rohrs kann genau dort sein, wo der Sitz greifen müsste. Bei einem Duschhandlauf mit Brausestange, wie ihn KEUCO beschreibt, gehört ein Brauseschieber zum Lieferumfang, und wo er sitzt, entscheidet mit über den freien Platz für die Haken.
Der Abstand zwischen Rohr und Fliese
Das dritte Maß ist das unscheinbarste. Ein Einhängesitz greift mit seinen Haken über das Rohr und legt sich unten mit Puffern oder Rosetten an die Wand. Liegt das Rohr weiter von der Wand weg, als der Sitz vorsieht, hängt er schräg nach vorn; liegt es näher, passt der Haken nicht hinter das Rohr. Nur ein Hersteller in dieser Auswertung nennt den Wert ausdrücklich: FRELU schreibt für den Sitz DSKE02G „zum Einhängen in Griffe aus Rohr Ø 32 mm und Wandabstand 90 mm (Wand-Achse)“.
Die Klammer ist wichtig. „Wand-Achse“ heißt: gemessen von der Wand bis zur Mitte des Rohrs, nicht bis zur Oberfläche. Bei einem 32er-Rohr liegt die Vorderkante dann 106 mm und die Hinterkante 74 mm vor der Wand. KEUCO nennt für den Handlauf 34908 zwei andere Begriffe, „Ausladung 90 mm“ und „Wandabstand 57 mm“, ohne zu sagen, von wo bis wo gemessen wird. Zwei Datenblätter, zweimal 90 mm — und ob sie dasselbe meinen, lässt sich aus den Unterlagen nicht entscheiden.
Für den Umstieg folgt daraus eine einfache Regel ohne Zahl: Gemessen wird am eigenen Griff, an zwei Stellen, und notiert wird, von wo bis wo. Wer den Abstand bis zur Rohrmitte misst, misst bis zur Vorderkante und zieht den halben Durchmesser ab. Fliesen mit tiefen Fugen oder ein Fliesenspiegel, der auf halber Höhe endet, verschieben die Auflage der unteren Puffer; Delabie beschreibt dafür breite Auflagerosetten, die die Wand schützen sollen.
Wer trägt: Sitz, Griff oder Wand?
Bei einem verschraubten Klappsitz läuft die Last von der Sitzfläche über das Scharnier in die Schrauben und von dort in die Wand. Beim Einhängesitz ist ein Glied mehr dazwischen: Die Last geht vom Sitz in den Griff, vom Griff in seine Befestigungen und erst dann in die Wand. Das schwächste dieser Glieder begrenzt das Ganze.
Die KEUCO-Unterlagen zeigen das in einem einzigen Paar. Der Klappsitz Plan Care 34981 ist laut Datenblatt „belastbar bis 110 kg“, der Duschhandlauf 34908, in den er gehängt wird, „bis 115 kg belastbar“. Hier ist der Sitz das schwächere Glied. Bei HEWI lässt sich die Rechnung aus den Sitzunterlagen allein nicht machen: Der Einhängesitz 801 ist für ein empfohlenes Höchstgewicht des Anwenders von 150 kg ausgelegt, und welche Last der jeweilige Handlauf trägt, steht im Datenblatt des Handlaufs, nicht in dem des Sitzes. Wer kombiniert, liest beide.
Für Griffe nennt der Leitfaden zu DIN 18040-2 eine einzige Lastzahl, und die gilt nicht für die Dusche: Stützklappgriffe am WC in Wohnungen mit uneingeschränkter Rollstuhlnutzung sind „entsprechend einer Punktlast von 1 kN am vorderen Griffende“ zu befestigen. Das entspricht der Gewichtskraft von rund 102 kg. Für den Handlauf in der Dusche, an den ein Sitz gehängt wird, nennt der Leitfaden keine Last. Die Zahl, die zählt, steht deshalb im Datenblatt des Griffs.
Der Satz verschiebt die Frage dorthin, wo sie hingehört: zur Befestigung des Griffs. Ein Handlauf, an dem man sich bisher nur festgehalten hat, trägt mit einem Sitz eine neue Art von Last — senkrecht, dauerhaft, und beim Hinsetzen ruckartig. Ob seine Befestigung dafür ausgelegt ist, lässt sich von außen nicht sehen. KEUCO legt dem Handlauf fünf Befestigungssets bei und nennt für andere Wandaufbauten zwei weitere Sets; welche verwendet wurden, weiß im Nachhinein oft niemand mehr.
Die Lastangaben der Sitze selbst reichen in dieser Auswertung von 110 kg (KEUCO) über 135 kg (Delabie) bis 150 kg (HEWI, FRELU, Etac, RUD). Normbau nennt für den Care-Einhängesitz auf derselben Produktseite einmal 150 und einmal 175 kg, der Verzeichniseintrag des älteren Normbau NY.377 175 kg. Wie Lastangaben bei Duschhockern entstehen und warum manche davon umgerechnete Pfundwerte sind, ist in der Auswertung der Kilogramm-Angaben bei Duschhockern beschrieben.
Zwei Hersteller nennen zusätzlich einen Testwert: HEWI „getestet bis 200 kg“, Delabie „Testé à plus de 200 kg“, also auf mehr als 200 kg geprüft. Beide nennen keine Prüfstelle, und beide setzen das empfohlene Gewicht deutlich darunter an, HEWI bei 150 kg, Delabie bei 135 kg. Für die Auswahl zählt die niedrigere Zahl, und zwar die niedrigere aus Sitz und Griff. Wie Sitz, Befestigung und Wand bei verschraubten Sitzen zusammenspielen, zeigt der Hauptvergleich mit den Lastangaben von Sitz, Armlehne und Stützbein.
Fremder Sitz am eigenen Griff
Für Umsteiger ist das die entscheidende Frage, und die Antwort fällt bei den meisten Herstellern gleich aus: nur am eigenen System. Die Unterlagen sagen das unterschiedlich deutlich.
- HEWI: Die Anleitung verlangt „Ausschließlich mit geeigneten HEWI-Handläufen“; welche Griffe passen, listet HEWI in eigenen Kompatibilitätstabellen im Download-Bereich.
- KEUCO: Zum Sitz 34981 ist „unbedingt erforderlich“ ein Artikel aus dem Stangensystem Plan Care, Artikelnummern 34901 bis 34915.
- Delabie: Der Sitz 510300N hängt an Haltegriffen mit 32 mm und verweist auf vier eigene Griffnummern, 5481N, 5490N, 5121N und 50504N.
- Normbau: Der Care-Einhängesitz ist „for hanging in Inox Care and Nylon Care Shower handrails“, also für die eigenen Handläufe.
- FRELU: Der Sitz DSKE02G nennt Rohr und Wandabstand, aber keine Marke; der abgebildete Griff gehört nicht zum Lieferumfang.
- Etac: Die Seiten zu ConceptPro und Funktion nennen keinen passenden Griff; das Gestell des ConceptPro selbst ist aus Edelstahlrohr mit 32 mm.
FRELU ist damit der einzige Hersteller in dieser Auswertung, der seinen Einhängesitz über Maße statt über eine Marke beschreibt. Bei allen anderen bindet die Freigabe Sitz und Griff aneinander. Wer einen Handlauf eines anderen Herstellers in der Dusche hat, findet in den Unterlagen keine Zusage, dass ein HEWI-, KEUCO-, Delabie- oder Normbau-Sitz daran hängen darf — auch wenn der Durchmesser stimmt.
Der Grund ist nicht nur Marketing. Ein Haken, der für ein 33er-Rohr geformt ist, liegt auf einem 32er-Rohr anders an; Normbau löst das beim älteren NY.377 laut Verzeichnis „mit Zwischenringen“, also mit Einsätzen. KEUCO beschreibt „integrierte Kunststoffschalen zum Haltegriff“ und „Kunststoffpuffer zur Wandfliese“. Die Anlage zwischen Sitz und Rohr ist Teil der Konstruktion, und die Freigabe gilt für die Kombination, die der Hersteller geprüft hat.
Praktisch bleiben damit zwei Wege. Entweder man sucht den Sitz desselben Herstellers wie der vorhandene Griff, was voraussetzt, dass man den Hersteller kennt; bei vielen Griffen steht er auf der Rosette oder in den Unterlagen des Umbaus. Oder man nimmt einen Sitz, der über Maße beschrieben ist, und prüft Durchmesser und Wandabstand selbst. Ein dritter Weg — einen Sitz an einem fremden Griff „ausprobieren“ — kommt in keiner Unterlage vor.
Die Sitzhöhe hängt am Griff
Bei einem verschraubten Klappsitz wird die Sitzhöhe beim Bohren festgelegt. Beim Einhängesitz ist sie schon festgelegt, bevor der Sitz gekauft wird: durch die Höhe des Griffs. Der Sitz hängt in einem bestimmten Abstand unter dem Rohr, und dieser Abstand ist Teil seiner Konstruktion.
Normbau macht das für seinen Care-Einhängesitz ausdrücklich: Bei einer Oberkante des Duschhandlaufs von 850 mm entspricht die Sitzhöhe 480 mm, mit Verweis auf DIN 18040 und die österreichische ÖNORM B1600. Die Sitzfläche liegt also 370 mm unter der Oberkante des Rohrs. Wer den Griff höher oder tiefer hat, sitzt um genau diesen Unterschied höher oder tiefer.
HEWI gibt in der Montageanleitung der Serie 801 eine Sitzhöhe über dem fertigen Fußboden je Land an, gezeichnet für einen Handlauf mit 33 mm Durchmesser. Für Deutschland stehen dort 460 bis 480 mm, ebenso für Österreich; die Schweiz nennt 460 mm, Frankreich 450 bis 500 mm, das Vereinigte Königreich 480 mm, Belgien und die skandinavischen Länder 500 mm. Die Zahlen zeigen vor allem eines: Auch unter Herstellern gibt es keinen einheitlichen Wert, und die Höhe des Griffs folgt den Regeln des jeweiligen Landes.
Was DIN 18040 zum waagerechten Griff sagt
Die 850 mm, mit denen Normbau rechnet, stehen nicht zufällig da. Für öffentlich zugängliche Gebäude verlangt DIN 18040-1 nach der Zusammenfassung von Baunetz Wissen waagerechte Haltegriffe in 85 cm Höhe über dem fertigen Fußboden. Für Wohnungen, also den Geltungsbereich von DIN 18040-2, nennt der Leitfaden der Bayerischen Architektenkammer keine solche Höhe. Er verlangt für alle barrierefreien Sanitärräume, dass Wände für horizontale und vertikale Stütz- und Haltegriffe im Duschbereich nachrüstbar vorbereitet sind, und zeigt für den Standard mit uneingeschränkter Rollstuhlnutzung einen Duschplatz, in dem „der horizontale Haltegriff“ einen zweiten Stützklappgriff ersetzt.
Für einen Einhängesitz heißt das: Ein Griff, der nach einer Norm geplant wurde, sitzt eher auf einer bekannten Höhe als einer, der nach Gefühl montiert wurde. Ob er auf 85 cm hängt, ist aber im Einzelfall nachzumessen, gemessen bis zur Oberkante des Rohrs und vom fertigen Boden der Dusche aus, nicht vom Boden davor.
Der RUD-Einhängesitz DEX nennt im Verzeichnis die Höhe der Halterungen mit 75, 80, 85 oder 90 cm. Damit sind vier Griffhöhen beschrieben, zu denen der Sitz passt. Etac nennt für den ConceptPro eine „Sitzhöhe 193 mm“ in der Variantentabelle — ohne zu sagen, von wo diese Höhe gemessen ist. Vom Boden kann sie bei einem Duschsitz kaum gemeint sein.
Für den Umstieg heißt das: Wer einen Griff hat, hat auch eine Sitzhöhe, und die lässt sich vor dem Kauf ausrechnen, wenn das Datenblatt den Abstand zwischen Rohr und Sitzfläche nennt. Fehlt diese Angabe, fehlt die wichtigste Zahl. Für den Klappsitz an der Wand gibt es dafür eigene Messverfahren der Hersteller, zusammengefasst in der Anleitung zu Montagehöhe und Sitzhöhe; beim Einhängesitz ist der Spielraum kleiner, weil der Griff schon hängt.
Ein Sitz, der jeden Tag aus- und eingehängt wird
Der Vorteil eines Einhängesitzes ist, dass er nicht in der Dusche bleiben muss. HEWI beschreibt ihn als „herausnehmbare Sitzgelegenheit“, Delabie als „amovible“, also abnehmbar, und begründet das mit Häusern, in denen nur zeitweise jemand einen Sitz braucht, etwa Hotels. Im Haushalt kann es dieselbe Lage sein: Eine Person im Haushalt braucht den Sitz, die anderen nicht, und die Dusche soll für alle frei bleiben.
Das hat eine Kehrseite, und sie steht in den Datenblättern als Gewicht. Etac nennt für den ConceptPro 14,0 kg, für den Duschsitz+ Funktion 8,0 kg, RUD für den DEX 9 kg, Normbau für den NY.377 5 bis 5,1 kg. Zum Vergleich: Der leichteste verschraubte Klappsitz im Verzeichnis, ein gepolsterter Sitz von Meyra, wiegt 1,1 kg. HEWI, KEUCO, Delabie und FRELU nennen für ihre Einhängesitze kein Gewicht.
Ein Sitz mit 8 bis 14 kg wird nicht nebenbei abgenommen. Er muss angehoben werden, bis die Haken über das Rohr kommen, und beim Einhängen muss er so geführt werden, dass beide Haken gleichzeitig greifen. Wer den Sitz täglich ein- und aushängt, hebt ihn zweimal am Tag über die Höhe des Griffs, in einer nassen Dusche. Ob das die Person kann, die den Sitz braucht, oder ob eine zweite Person das übernimmt, entscheidet über den Alltag mit diesem Sitz mehr als jedes Datenblatt.
Delabie nennt noch einen zweiten Grund für das Abnehmbare: Ein Haus braucht weniger Sitze, wenn ein Sitz dort eingehängt wird, wo er gerade gebraucht wird. Für einen Haushalt mit zwei Duschen und Griffen desselben Systems gilt dasselbe — ein Sitz für beide, vorausgesetzt, beide Griffe haben dasselbe Rohr, denselben Wandabstand und eine passende Höhe.
Dazu kommt die Frage, wohin mit dem Sitz. Ein Einhängesitz mit Rückenlehne misst bei HEWI 450 × 472 × 500 mm, bei Delabie 590 × 420 × 510 mm. Er braucht außerhalb der Dusche einen Platz, an dem er abtropfen und trocknen kann. Einhängesitze mit Klappfunktion, etwa die beiden von Etac oder der von KEUCO, lassen sich hochklappen und können so auch eingehängt bleiben; dann ist der Vorteil des Abnehmens gering, aber die Dusche bleibt bis auf die Tiefe des hochgeklappten Sitzes frei.
Klappen, bremsen, neigen
Einhängesitze sind mechanisch oft aufwendiger als einfache Klappsitze, weil sie eine Rückenlehne tragen und an einem Rohr hängen, das sich drehen ließe. Die Unterlagen beschreiben vier Mechanismen.
- Hochklappen: KEUCO, Etac ConceptPro und Funktion sowie der FRELU-Sitz lassen sich nach oben klappen; KEUCO nennt dazu eine abnehmbare Rückenlehne.
- Bremse: Etac beschreibt den ConceptPro als „nach oben und gebremst nach unten klappbar“; HEWI verlangt in der Anleitung, die Bremse „beidseitig gleichmäßig“ einzustellen; RUD nennt für den DEX eine einstellbare Bremse.
- Sitzneigung: HEWI und RUD lassen die Neigung der Sitzfläche verstellen; Delabie beschreibt einstellbare Stützen, die die Sitzfläche waagerecht halten.
- Sicherung: FRELU nennt eine „Fallsicherung“; der Einhängesitz von rehagrip im Verzeichnis hat eine Klappmechanik, die eine Gasdruckfeder unterstützt.
Bei manchen Systemen lässt sich nachrüsten. Normbau bietet den Care-Einhängesitz mit einer Sitzfläche von 380 oder 450 mm Breite an, aus Aluminium mit Polster aus PUR-Integralschaum, und führt auf derselben Seite eine nachrüstbare Armlehne als Zubehör. KEUCO beschreibt die Rückenlehne des Plan-Care-Sitzes als abnehmbar. Wer sich für ein System entscheidet, entscheidet damit auch, welche Teile später dazukommen können — und an welchen Griff sie passen.
Die Bremse hat beim Einhängesitz eine besondere Rolle. Ein Sitz, der ungebremst herunterklappt, schlägt mit seinem ganzen Gewicht nach unten — bei 8 bis 14 kg ist das keine Kleinigkeit für Finger, die noch am Rohr sind. HEWI warnt: „Beim Herunterklappen darf sich kein Körperteil unter dem Produkt befinden.“ Die Bremse muss auf beiden Seiten gleich eingestellt sein, sonst klappt der Sitz schief und belastet einen Haken stärker als den anderen.
Wo der Sitz die Fliese berührt
Ein Einhängesitz hängt nicht nur, er lehnt sich auch an. Wer sitzt, belastet die Sitzfläche vor dem Rohr, und der Sitz will sich um das Rohr nach vorn drehen. Aufgefangen wird das unten an der Wand, an den Puffern oder Rosetten, mit denen der Sitz an der Fliese anliegt. KEUCO nennt dafür „Kunststoffpuffer zur Wandfliese“, Delabie „Rosaces d'appui larges“, breite Auflagerosetten zum Schutz der Wand. Die Wand wird beim Einhängesitz also nicht angebohrt, aber sie wird an diesen Stellen gedrückt, bei jedem Hinsetzen.
Daraus folgen zwei Dinge, die kein Datenblatt als eigene Anforderung nennt. Die Fliese an der Auflagestelle muss eben sein und fest im Kleberbett liegen; eine hohl klingende Fliese oder eine Fuge genau unter dem Puffer ist eine schlechte Auflage. Und der Puffer muss vollständig sein: Ein fehlender oder harter Puffer drückt Metall oder harten Kunststoff auf die Glasur.
Eine Neigungsverstellung kann ausgleichen, was der Griff vorgibt. Hängt das Rohr etwas weiter von der Wand weg als vorgesehen, kippt die Sitzfläche nach vorn; mit der Verstellung lässt sie sich zurückholen. Das ist auch der Grund, warum der Wandabstand des Griffs so wichtig ist: Er bestimmt, wie viel Ausgleich überhaupt nötig ist.
Neun Einhängesitze und ihre Angaben
Die Tabelle stellt die Angaben aus den Herstellerunterlagen und dem Verzeichnis nebeneinander. Eine Produktkarte mit Kauflink hat keiner der Sitze: Keiner steht mit einem Angebot im Versandhandel und einer passenden Nummer im Verzeichnis. Zwei HEWI-Einhängesitze und der Delabie-Sitz sind im Versandhandel zu finden, aber ohne Verzeichnisnummer am Angebot.
| Sitz | Passender Griff | Last | Getestet bis | Eigengewicht | Verzeichnis |
|---|---|---|---|---|---|
| HEWI 801.51.110 | 30, 32, 33 mm; nur HEWI-Handläufe | 150 kg empfohlen | 200 kg | keine Angabe | nicht gelistet |
| KEUCO Plan Care 34981 | Stangensystem Plan Care; Handlauf 34908 mit 33 mm | 110 kg | keine Angabe | keine Angabe | nicht gelistet |
| Delabie 510300N | 32 mm; Delabie 5481N, 5490N, 5121N, 50504N | 135 kg empfohlen | über 200 kg | keine Angabe | nicht gelistet |
| FRELU DSKE02G | 32 mm, Wandabstand 90 mm zur Rohrachse | 150 kg | keine Angabe | keine Angabe | nicht gelistet |
| Etac ConceptPro L62-231-000 | keine Angabe (Gestell selbst 32 mm) | 150 kg | keine Angabe | 14,0 kg | nicht gelistet |
| Etac Funktion L12-225-01 | keine Angabe | 150 kg | keine Angabe | 8,0 kg | nicht gelistet |
| Normbau Care 0847710095 | Normbau-Handläufe Inox Care und Nylon Care | 150 oder 175 kg (beides auf derselben Seite) | 200 kg statisch | keine Angabe | nicht gelistet |
| Normbau NY.377 | Duschhandläufe und Haltegriffe, mit Zwischenringen | 175 kg | keine Angabe | 5 bis 5,1 kg | 04.40.03.0031 |
| RUD DEX | keine Angabe; Halterungshöhe 75 bis 90 cm | 150 kg | keine Angabe | 9 kg | 04.40.03.0048 |
Drei Spalten fallen auf. Die Spalte „Passender Griff“ ist die einzige, die über das Passen entscheidet, und sie ist bei fünf Sitzen ohne Rohrmaß. Die Spalte „Eigengewicht“ ist bei fünf Sitzen leer, obwohl ein Einhängesitz gerade dafür gekauft wird, dass man ihn abnimmt. Und die Spalte „Verzeichnis“ zeigt, dass die gelisteten Einhängesitze und die im Handel sichtbaren zwei verschiedene Gruppen sind.
Breite Sitzfläche, schmale Sitzfläche
Neben Rohr und Last unterscheidet die Sitze vor allem die Fläche, auf der man sitzt. HEWI führt die Serie 801 in zwei Breiten: Die schmale Ausführung 801.51.100 hat eine Sitzfläche von 345 × 336 mm aus 55 mm breiten Sitzelementen, die breite 801.51.110 eine von 450 × 354 mm aus 60 mm breiten Elementen. KEUCO nennt für den Plan-Care-Sitz 362 mm Breite und 310 mm Sitzlänge, FRELU 480 × 335 mm, Normbau für den Care-Sitz 380 oder 450 mm Breite bei 405 mm Tiefe, der ältere NY.377 laut Verzeichnis 515 mm Breite. Delabie bezeichnet den 510300N ausdrücklich als breites Modell.
Die Breite hat beim Einhängesitz eine zweite Seite: Je breiter der Sitz, desto länger muss der gerade Abschnitt des Rohrs sein, und desto mehr ragt er seitlich in die Dusche. Eine schmale Ausführung kann deshalb gerade dort die einzige sein, die passt, wo der Handlauf kurz ist oder neben einer Armatur endet.
Die Lastangaben liegen dicht beieinander, zwischen 110 und 175 kg. Mehr als die Zahl selbst sagt, ob ein Hersteller zwischen empfohlener und getesteter Last trennt. HEWI, Delabie und Normbau tun das, die anderen nennen eine einzige Zahl. Welche der beiden Arten von Zahl gemeint ist, wenn nur eine dasteht, sagen die Unterlagen nicht.
Was auf den Datenblättern nicht zusammenpasst
Bei Einhängesitzen widersprechen sich die Angaben auffällig oft, und zwar häufig auf derselben Seite. Für Umsteiger, die zwischen zwei Sitzen abwägen, ist es nützlich, diese Stellen zu kennen, weil sie genau die Zahlen betreffen, nach denen man auswählt.
- Normbau Care-Einhängesitz: Die englische Produktseite nennt „max. 150kgs according to ISO17966:2016“, dieselbe Seite weiter unten „max. 175 kg nach ISO 17966:2016“.
- rehagrip Airmatic, Eintrag 04.40.03.0022: Der Name sagt „bis 80 kg“, der Merkmalstext „max. zul. Belastung 150 kg“.
- Delabie 510300N auf der Angebotsseite: In der Übersicht steht als Höchstgewichtempfehlung „7 Kilogramm“, in der Beschreibung 135 kg.
- Etac ConceptPro: Der Text beschreibt eine Sitzfläche von 400 × 400 mm, die Variantentabelle nennt eine Sitzbreite von 360 mm.
- HEWI 801 auf der Angebotsseite: Dort ist der Sitz für „Duschhandläufe und Haltegriffe“ allgemein beschrieben, die Anleitung beschränkt ihn auf HEWI-Handläufe; an einem der beiden Angebote hängt die Anleitung eines anderen Produkts.
- FRELU: Auf derselben Herstellerseite trägt ein Wandsitz in der Überschrift 120 kg und in der Datenzeile 150 kg.
Keiner dieser Widersprüche ist dramatisch, wenn man ihn kennt. Gefährlich wird er, wenn man nur eine der beiden Zahlen sieht. Bei Lastangaben gilt deshalb, was für alle sicherheitsrelevanten Zahlen gilt: Die niedrigere zählt, bis der Hersteller klärt, welche richtig ist. Bei der Freigabe für Griffe zählt die Anleitung, nicht die Angebotsseite.
Fünf Einträge im Verzeichnis, keiner im Versandhandel
Im Hilfsmittelverzeichnis stehen unter 04.40.03.0 fünf Sitze zum Einhängen. Ihre Einträge beschreiben eine eigene Welt, die mit den Angeboten im Handel wenig zu tun hat.
- Normbau NY.377, Eintrag 0031: Einhängesitz aus Nylon mit durchgehendem Stahlkern, Rückenlehne, Zwischenringe, 175 kg, 5 bis 5,1 kg; Sitz 515 mm breit in drei Abmessungen.
- RUD DEX, Eintrag 0048: gepolsterte Sitzfläche und Rückenlehne, einstellbare Bremse, Sitzneigung, Hygieneausschnitt, 150 kg, 9 kg; Halterungshöhe 75 bis 90 cm.
- AMS A 160.0 CNS, Eintrag 0023: Edelstahl, Sitzfläche und Rückenlehne aus Kunststoffmodulen, 150 kg.
- rehagrip Airmatic A 154.0 und A 153.5, Eintrag 0022: Edelstahl, Kunststoffmodule, Gasdruckfeder; „bis 80 kg“ im Namen, 150 kg im Text.
- Niro Petersen Duschsitz Standard 5005, Eintrag 0011: Duschsitz mit Rückenlehne zum Einhängen, ohne Lastangabe.
Die Aufnahmedaten zeigen, wie alt diese Gruppe ist. Die Einträge von AMS und rehagrip tragen den 15. Oktober 2007, der Niro-Petersen-Eintrag den 16. Dezember 2009, ein Datum, das im Verzeichnis bei vielen frühen Einträgen steht. Der Normbau NY.377 kam am 21. September 2010 hinzu, der RUD DEX als jüngster am 16. Juli 2020. Zwischen dem Normbau-Eintrag und dem von RUD liegen fast zehn Jahre ohne neuen Einhängesitz.
Alle fünf haben eine Rückenlehne, alle vier mit Lastangabe liegen bei 150 kg oder darüber. Das unterscheidet sie von den verschraubten Klappsitzen, bei denen nur 11 von 36 Einträgen eine Rückenlehne nennen. Ein Angebot mit passender Artikelnummer fand keine unserer Suchen im Versandhandel am 14. Oktober 2026. Wo sie vertrieben werden, sagt das Verzeichnis nicht.
Umgekehrt steht keiner der Einhängesitze, die im Versandhandel auftauchen, im Verzeichnis: weder HEWI noch Delabie noch KEUCO. Auch die beiden Einhängesitze von Etac stehen nicht unter den 36 Einträgen der Produktart. Wer einen Einhängesitz über eine Verordnung bekommen möchte, landet deshalb bei einem der fünf gelisteten Sitze — und braucht einen Griff, der zu diesem Sitz passt.
Wenn die Kasse den Sitz übernehmen soll
Für die Versorgung über die Krankenkasse gilt beim Einhängesitz dasselbe wie bei jedem Sitz der Produktart: Er muss im Einzelfall erforderlich sein, und es zählt das Produkt mit seiner Nummer im Verzeichnis. Die Fortschreibung regelt zusätzlich, dass der Leistungserbringer auf Wunsch Aufbau und Montage bis zur vollständigen Gebrauchsfähigkeit in der Wohnung übernimmt und in den Gebrauch einweist.
Beim Einhängesitz hat das eine Lücke, die in der Sache liegt. Der Sitz kann ein Hilfsmittel sein, der Griff ist laut Fortschreibung ein Gebrauchsgegenstand. Wer den Griff bezahlt, wenn noch keiner da ist, regelt die Produktgruppe 04 nicht. Wie das Verzeichnis die Grenze zwischen Griffen als Hilfsmittel und als Gebrauchsgegenstand zieht, beschreibt der Beitrag über die Grenze zwischen mobilem und festem Griff. Für Umbauten im Bad kennt die Pflegeversicherung Zuschüsse zu wohnumfeldverbessernden Maßnahmen; Haltegriffe stehen im Gesamtverzeichnis dieser Maßnahmen allerdings nicht, und über den Einzelfall entscheidet die Pflegekasse.
Für den Einhängesitz selbst hat die Versorgung über die Kasse einen praktischen Vorteil: Der Leistungserbringer muss den Bedarf ermitteln und dabei vorhandene Hilfsmittel berücksichtigen. Ob ein vorhandener Griff für einen gelisteten Einhängesitz taugt, ist eine Frage, die in diese Bedarfsermittlung gehört. Was dabei im Einzelnen gilt, ist Sache der Kasse und der Verträge, nicht dieses Ratgebers. Den Versorgungsweg selbst, mit den Fristen, der Zuzahlung und den drei Wegen zum Antrag, beschreibt der Ratgeber Weg über das Rezept und die Kasse.
Drei Ausgangslagen, drei Rechnungen
Wer auf einen Einhängesitz umsteigt, tut das aus sehr verschiedenen Lagen heraus. Drei davon beschreiben wir als Beispiele, ohne bestimmte Personen; sie zeigen, an welcher Stelle die Rechnung jeweils anders ausfällt.
Beispiel eins: Der Griff ist schon da
Das Bad wurde vor einigen Jahren umgebaut, ein Duschhandlauf mit Brausestange hängt an der Wand, sein Hersteller steht auf der Rosette. Hier ist der Einhängesitz desselben Herstellers der naheliegende Weg, und die Arbeit besteht darin, im Datenblatt des Griffs die Last nachzulesen und im Datenblatt des Sitzes die Freigabe für genau diesen Griff zu finden. Wenn der Griff 115 kg trägt und der Sitz 110 kg, ist die Rechnung schnell gemacht. Wenn der Hersteller nicht mehr festzustellen ist, bleibt nur der Sitz, der über Maße beschrieben ist, oder ein neuer Griff.
Beispiel zwei: Es soll nicht noch einmal gebohrt werden
Die Fliesen sind neu, oder es ist eine Mietwohnung, und jedes weitere Loch ist ein Problem. Hier ist der Einhängesitz attraktiv, weil er die vorhandenen Bohrungen des Griffs nutzt. Die Rechnung kippt aber, wenn kein waagerechter Griff da ist: Dann muss ein Griff montiert werden, und dafür wird ebenso gebohrt wie für einen Klappsitz, oft an mehr Stellen. Der KEUCO-Handlauf 34908 etwa hat fünf Wandbefestigungen. Für Sitze, die ganz ohne Bohrung auskommen sollen, führt das Verzeichnis eine andere Bauweise: zwei Sitze, deren Haltepunkte an die Fliese geklebt werden. Was diese Klebung an Untergrund, Reinigung und Aushärtung voraussetzt, beschreibt der Ratgeber über geklebte Klappsitze.
Beispiel drei: Mehrere Menschen teilen sich die Dusche
Eine Person braucht den Sitz, die anderen stört er. Hier spielt der Einhängesitz seinen größten Vorteil aus, weil er ganz verschwinden kann. Die Rechnung hängt dann am Gewicht: Ein Sitz mit 5 kg lässt sich anders handhaben als einer mit 14 kg, und wer ihn täglich abnimmt, braucht einen Platz für ihn außerhalb der Dusche. Ein Klappsitz, der hochgeklappt 8 cm vor der Wand steht, kann in dieser Lage die einfachere Lösung sein.
Beim Umzug: der Sitz geht mit, der Griff bleibt
Ein Einhängesitz ist beweglich, sein Griff nicht. Bei einem Umzug lässt sich der Sitz mitnehmen, aber in der neuen Wohnung muss ein passender Griff hängen — mit demselben Durchmesser, demselben Wandabstand, auf einer Höhe, die zur gewünschten Sitzhöhe passt, und bei den meisten Herstellern von derselben Marke. Wer einen Einhängesitz mitnimmt, nimmt damit eine Anforderung an die nächste Dusche mit.
Für einen Sitz, der über die Kasse kam, stellt sich die Frage anders. Hilfsmittel der Kasse können leihweise überlassen und nach Gebrauch bei anderen Versicherten wieder eingesetzt werden. Wie Eigentum, Leihe und Wiedereinsatz bei Kassenhilfsmitteln geregelt sind, beschreibt der Beitrag über Eigentum und Wiedereinsatz am Beispiel des Rollators; für den Einhängesitz gilt das Prinzip ebenso, und der Sitz lässt sich leichter aufbereiten als ein verschraubter, weil nichts abgeschraubt werden muss.
Die Fortschreibung verlangt für den Wiedereinsatz eine Herstellererklärung zur Eignung und eine Beschreibung des Verfahrens der Wiederaufbereitung. Dieselbe Formulierung findet sich für Sitzkissen, und was ein Hersteller dort beschreiben müsste, zeigt der Beitrag über Bezug, Reinigung und Wiedereinsatz von Keilkissen.
Reinigen, ohne den Kunststoff anzugreifen
Ein Sitz, der abgenommen werden kann, lässt sich gründlicher reinigen als einer, der an der Wand bleibt. Die Hersteller geben dafür sehr verschiedene Grenzen an, und bei Kunststoffen und Beschichtungen lohnt es sich, sie zu kennen.
HEWI ist am ausführlichsten. Die Anleitung verlangt, das Reinigungsmittel auf ein Tuch zu geben und nicht direkt auf die Oberfläche, unmittelbar danach mit kaltem Wasser abzuspülen und alle Mittel vorher an einer unauffälligen Stelle zu testen. Ungeeignet sind laut HEWI Scheuermittel und Scheuerschwämme, Bürsten, Stahlwolle, Mikrofaser und Schmutzradierer, außerdem alkalische, säure- und chlorhaltige Mittel, Lösungsmittel und Dampfstrahlgeräte. Metallteile dürfen nicht mit eisenhaltigen Gegenständen behandelt werden.
Etac erlaubt für den Duschsitz+ Funktion und den ConceptPro mehr: Reinigung in einem Kabinen-Reinigungs- und Desinfektionsgerät bei höchstens 85 °C für 3 Minuten, mit lösungsmittelfreien Mitteln mit einem pH-Wert von 5 bis 9 oder mit 70-prozentiger Desinfektionslösung. Delabie beschreibt die Sitzfläche als „non poreuse“, also porenfrei, und nennt eine gute Beständigkeit gegen Reinigungsmittel und ein jodhaltiges Desinfektionsmittel. KEUCO schreibt knapp: „antistatisch, leichte Reinigung“.
Zwei Hersteller werben zusätzlich mit einer Ausrüstung der Oberfläche. Delabie nennt eine antibakterielle Behandlung von Sitzfläche und Rückenlehne, Normbau für den Care-Sitz eine kratzfeste Pulverbeschichtung „with antibacterial protection“. Beide Angaben stehen ohne Prüfgrundlage und ohne Wirkungsangabe da; sie ersetzen keine Reinigung, und über die Verträglichkeit mit Reinigungsmitteln sagen sie nichts.
Zwischen HEWI und Etac liegt damit fast die ganze Spanne. Wer einen Einhängesitz im Haushalt mit dem üblichen Badreiniger behandelt, sollte vorher nachsehen, ob dieser alkalisch oder sauer ist; bei HEWI wäre beides laut Anleitung ungeeignet. Dass derselbe Gegenstand bei einem Hersteller in die Desinfektionsmaschine darf und beim anderen nur feucht abgewischt wird, liegt an den Materialien: Polyamid mit Stahlkern bei HEWI, glasfaserverstärktes Polyamid und Polyurethan bei Etac.
Was vor dem Bestellen geklärt sein sollte
Aus den Unterlagen ergibt sich eine Reihe von Fragen, die vor einer Bestellung beantwortet sein sollten. Keine davon braucht Werkzeug außer einem Maßband; einige brauchen die Unterlagen des vorhandenen Griffs.
- Wer hat den Griff hergestellt, und lässt dieser Hersteller einen Einhängesitz an diesem Griff zu?
- Welchen Durchmesser hat das Rohr? Umfang messen: rund 94, 101 oder 104 mm für 30, 32 oder 33 mm.
- Wie lang ist der gerade, waagerechte Abschnitt, und sitzt etwas darauf, das den Haken im Weg ist?
- Wie weit liegt die Rohrmitte von der Wand weg, und wie misst der Sitzhersteller diesen Abstand?
- Wie viel trägt der Griff laut seinem Datenblatt, und wie viel der Sitz? Die kleinere Zahl gilt.
- Auf welcher Höhe hängt der Griff, und welche Sitzhöhe ergibt sich daraus nach Angabe des Sitzherstellers?
- Wie schwer ist der Sitz, wer hängt ihn ein und aus, und wo steht er, wenn er nicht hängt?
- Hat der Sitz eine Bremse, und lässt sie sich auf beiden Seiten gleich einstellen?
- Soll der Sitz über eine Verordnung kommen? Dann kommen nur die gelisteten Einhängesitze infrage.
Zu den Antworten gehören Unterlagen. HEWI schreibt, die Anleitung sei nach der Montage dem Anwender zur Verfügung zu stellen; dasselbe gilt sinngemäß für das Datenblatt des Griffs. Wer bei einem Umbau einen Handlauf bekommt, bekommt mit dessen Unterlagen die Zahlen, die später für jeden Einhängesitz gebraucht werden: Hersteller, Artikelnummer, Rohrdurchmesser, Belastbarkeit und die verwendeten Befestigungssets. Fehlen sie, fehlen genau die Angaben, die sich am montierten Griff nicht mehr ablesen lassen.
Wer nach diesen neun Fragen bei keinem Sitz landet, landet oft beim verschraubten Klappsitz. Das ist kein Scheitern, sondern das Ergebnis einer Passungsprüfung, die beim Klappsitz an einer anderen Stelle stattfindet: an der Wand statt am Griff. Welche Prüfungen nach der Montage eines festen Griffs anstehen, zeigt der Beitrag über das Montieren und Nachprüfen von Badewannengriffen; wer ganz ohne Wand auskommen will, findet im Überblick über Duschhocker die Bauweise, die auf dem Boden steht.
Was wir zu Einhängesitzen nicht beantworten können
Drei Fragen bleiben nach dieser Auswertung offen. Welche Last ein bestimmter vorhandener Griff mit seiner tatsächlichen Befestigung trägt, lässt sich nicht aus Unterlagen ablesen; das beurteilt eine Fachkraft am Griff. Wie die drei Sitze ohne Rohrmaß an fremden Griffen hängen, sagen ihre Hersteller nicht. Und ob die Einhängesitze im Verzeichnis heute noch in der gelisteten Form gebaut werden, ließ sich ohne Angebot im Handel nicht prüfen.
Dazu kommt, was ein Ratgeber grundsätzlich nicht entscheidet: ob ein Duschsitz im Einzelfall nötig ist und ob eine Kasse ihn übernimmt. Das klären Arztpraxis, Versorgung und Kasse.
Hinweise auf Fehler oder neuere Unterlagen nehmen wir über die Seite Korrekturen und Hinweise auf. Nach welchen Regeln wir Herstellerangaben gegeneinander halten, steht unter Methodik der Auswertung.
Neun Fragen von Menschen, die schon einen Griff haben
- Passt ein Einhängesitz an jeden Haltegriff?
- Nein. Der Griff muss waagerecht verlaufen, und Durchmesser und Wandabstand müssen zum Sitz passen. HEWI, KEUCO, Delabie und Normbau geben ihre Einhängesitze nur für eigene Griffe frei; FRELU beschreibt seinen Sitz über Maße, 32 mm Rohr und 90 mm Wandabstand zur Rohrachse.
- Wie messe ich den Durchmesser meines Griffs?
- Am einfachsten über den Umfang: Ein Maßband aus Stoff einmal um das Rohr legen. Rund 94 mm entsprechen 30 mm Durchmesser, rund 101 mm 32 mm, rund 104 mm 33 mm. Ein Messschieber misst den Durchmesser direkt.
- Wie viel Gewicht trägt ein Duschsitz zum Einhängen?
- Die ausgewerteten Sitze nennen 110 kg (KEUCO), 135 kg (Delabie, empfohlen) und 150 kg (HEWI, FRELU, Etac, RUD); Normbau nennt auf derselben Seite 150 und 175 kg. Entscheidend ist die kleinere Zahl aus Sitz und Griff: Der KEUCO-Handlauf 34908 etwa ist bis 115 kg belastbar.
- Wie hoch sitzt man auf einem Einhängesitz?
- Die Sitzhöhe folgt der Höhe des Griffs. Normbau nennt für einen Handlauf mit Oberkante 850 mm eine Sitzhöhe von 480 mm. HEWI gibt für Deutschland 460 bis 480 mm an, gezeichnet für einen Handlauf mit 33 mm.
- Wie schwer sind Einhängesitze?
- Soweit angegeben zwischen 5 und 14 kg: Normbau NY.377 5 bis 5,1 kg, Etac Funktion 8,0 kg, RUD DEX 9 kg, Etac ConceptPro 14,0 kg. HEWI, KEUCO, Delabie und FRELU nennen kein Gewicht. Zum Vergleich wiegt der leichteste gelistete Klappsitz 1,1 kg.
- Bekomme ich einen Einhängesitz über die Krankenkasse?
- Im Hilfsmittelverzeichnis stehen fünf Einhängesitze unter 04.40.03.0, von Normbau, RUD, AMS, rehagrip und Niro Petersen. Die im Versandhandel sichtbaren Sitze von HEWI, KEUCO, Delabie und Etac sind nicht gelistet. Der Griff selbst gilt laut Produktgruppe 04 als Gebrauchsgegenstand.
- Brauche ich für einen Einhängesitz keine Bohrung?
- Der Sitz selbst wird nicht gebohrt, er hängt im Griff. Der Griff aber ist verschraubt; ist noch keiner da, muss er montiert werden, beim KEUCO-Handlauf 34908 mit fünf Wandbefestigungen. HEWI verlangt, dass Wandaufbau und Handlaufbefestigung der Last dauerhaft standhalten.
- Kann ich den Einhängesitz nach dem Duschen abnehmen?
- Ja, dafür ist er gebaut; HEWI nennt ihn eine herausnehmbare Sitzgelegenheit. Das Gewicht von bis zu 14 kg und der Platz zum Abtropfen außerhalb der Dusche gehören zur Entscheidung. Klappbare Modelle von Etac und KEUCO können auch hängen bleiben.
- Wie reinige ich einen Einhängesitz?
- Nach Herstellerangabe. HEWI verbietet Scheuermittel, Mikrofaser, alkalische, saure und chlorhaltige Mittel sowie Dampfstrahler. Etac erlaubt die Reinigung im Kabinen-Desinfektionsgerät bei höchstens 85 °C für 3 Minuten und 70-prozentige Desinfektionslösung.
Quellen
- [01]GKV-Spitzenverband, Fortschreibung der Produktgruppe 04 „Bade- und Duschhilfen“ vom 15.10.2025, S. 4, 24, 27–28 · abgerufen am 14.10.2026
- [02]Hilfsmittelverzeichnis des GKV-Spitzenverbandes, Produktart 04.40.03.0, Einträge 0011, 0022, 0023, 0031, 0048 · abgerufen am 14.10.2026
- [03]HEWI, Datenblatt Einhängesitz 801.51.110 · abgerufen am 14.10.2026
- [04]HEWI, Datenblatt Einhängesitz 801.51.116 · abgerufen am 14.10.2026
- [05]HEWI, Montage- und Gebrauchsanleitung Einhängesitze Serie 801 (Kopie der dänischen Hilfsmitteldatenbank) · abgerufen am 14.10.2026
- [06]KEUCO, Produktdatenblatt Plan Care Klappsitz 34981170051 · abgerufen am 14.10.2026
- [07]KEUCO, Produktdatenblatt Plan Care Duschhandlauf mit Brausestange 34908176411 · abgerufen am 14.10.2026
- [08]Delabie, Produktblatt Siège de douche amovible Grand Confort, Réf. 510300N · abgerufen am 14.10.2026
- [09]FRELU, Duschsitze — Duschsitz zum Einhängen DSKE02G · abgerufen am 14.10.2026
- [10]Etac, Duschsitz ConceptPro zum Einhängen, Produktseite mit Variantentabelle · abgerufen am 14.10.2026
- [11]Etac, Duschsitz+ zum Einhängen Funktion, Produktseite mit Variantentabelle · abgerufen am 14.10.2026
- [12]Normbau, Care Einhängesitz 0847710095, Produktseite · abgerufen am 14.10.2026
Änderungen an diesem Beitrag
- Aufnahmedaten aus dem Hilfsmittelverzeichnis korrigiert (UTC-Zeitstempel, deutsches Datum ist der Folgetag). Verweise auf die Ratgeber zu Krankenkasse und Sitzhöhe ergänzt.
- Erstveröffentlichung. Datenblätter und Anleitungen von HEWI, KEUCO, Delabie, FRELU, Etac und Normbau zu Rohrdurchmesser, Wandabstand, Last und Griff-Freigabe ausgewertet; die fünf Einhängesitze der Produktart 04.40.03.0 einzeln abgerufen.